Von Jimdo oder Wix zu WordPress wechseln
23. Oktober 2026
Baukästen wie Jimdo und Wix haben vielen Unternehmen den Einstieg ins Netz leicht gemacht. Sie sind schnell eingerichtet, Hosting und Technik laufen im Hintergrund, und für eine überschaubare Visitenkarten-Seite reicht das oft völlig aus.
Irgendwann wachsen die Anforderungen aber. Dann kommt die Frage auf, ob WordPress die bessere Grundlage ist. Dieser Ratgeber zeigt, wann sich der Wechsel lohnt und in welcher Reihenfolge Sie vorgehen, damit Domain, E-Mails und Google-Sichtbarkeit den Umzug unbeschadet überstehen.
Warum Unternehmen von Baukästen zu WordPress wechseln
Ein Baukasten ist kein schlechtes Werkzeug. Er ist ein geschlossenes System: Der Anbieter entscheidet, welche Funktionen es gibt, wie die Technik arbeitet und wo Ihre Daten liegen. Das ist bequem, solange Ihre Anforderungen in diesen Rahmen passen. Die häufigsten Gründe für einen Wechsel:
- Kontrolle. Bei WordPress entscheiden Sie selbst, bei welchem Hoster die Seite liegt, wie sie aufgebaut ist und welche technischen Einstellungen gelten – etwa für Ladezeit, Weiterleitungen oder strukturierte Daten für Suchmaschinen.
- Funktionen. Buchungssysteme, mehrsprachige Inhalte, Mitgliederbereiche, Schnittstellen zu Warenwirtschaft oder CRM: WordPress lässt sich über Plugins und eigene Entwicklung nahezu beliebig erweitern.
- Eigentum der Daten. WordPress ist freie Software. Ihre Website besteht aus Dateien und einer Datenbank, die Sie jederzeit vollständig sichern und zu einem anderen Hoster mitnehmen können.
Dem stehen Pflichten gegenüber: Bei WordPress sind Sie für Updates, Sicherungen und Sicherheit selbst verantwortlich oder geben das ab. Wer nur eine kleine Seite ohne Wachstumspläne betreibt, ist beim Baukasten oft gut aufgehoben. Mehr zur Abwägung lesen Sie im Beitrag Agentur, Freelancer oder Baukasten.
Schritt 1: Bestandsaufnahme – alles erfassen, was existiert
Bevor irgendetwas umgebaut wird, brauchen Sie eine vollständige Liste dessen, was heute da ist. Sie ist die Grundlage für den Neuaufbau und später für die Weiterleitungen.
- Alle Seiten und ihre Adressen (URLs) in einer Tabelle sammeln – auch Unterseiten, Blogbeiträge, Impressum und Datenschutz. Eine vorhandene Sitemap, die Google Search Console oder ein Crawling-Programm helfen dabei.
- Texte sichern, am besten Seite für Seite in einem Dokument.
- Bilder und Dateien herunterladen, möglichst in Originalgröße, ebenso PDFs und andere Downloads.
- Formulare, eingebundene Dienste und Tracking notieren: Kontaktformular, Terminbuchung, Karten, Analyse-Werkzeuge, Cookie-Banner.
- Seitentitel und Beschreibungen für Suchmaschinen festhalten, sofern Sie diese gepflegt haben.
Eine fertige Exportfunktion, die das alles samt Design nach WordPress überträgt, sollten Sie nicht einplanen. In der Praxis werden Inhalte manuell oder halbautomatisch übertragen. Das kostet Zeit, ist aber auch eine gute Gelegenheit, veraltete Seiten auszusortieren.
Schritt 2: Domain-Situation klären
Die wichtigste Frage vor jedem Umzug: Wo ist Ihre Domain registriert?
- Domain liegt bei einem separaten Anbieter (z. B. Ihrem bisherigen Hoster oder einem Domain-Registrar): Dann bleibt sie, wo sie ist. Später werden nur die DNS-Einträge auf das neue Hosting umgestellt.
- Domain wurde über den Baukasten registriert: Dann muss sie zu einem neuen Anbieter umziehen. Dafür fordern Sie beim bisherigen Anbieter einen Auth-Code an und geben ihn beim neuen Anbieter ein. Ob und wie das im Einzelfall funktioniert, steht in den Hilfeseiten und Vertragsbedingungen Ihres Anbieters.
Ganz wichtig: Kündigen Sie den Baukasten-Vertrag nicht, bevor der Domainumzug abgeschlossen ist. Hängt die Domain am Vertrag, kann mit der Kündigung auch die Domain wegfallen – und mit ihr Website und E-Mail-Adressen.
Schritt 3: E-Mail-Postfächer sichern und umziehen
Viele unterschätzen diesen Punkt. Ihre E-Mail-Adressen hängen an der Domain. Laufen die Postfächer bisher über den Baukasten-Anbieter oder einen Partner, müssen sie mit umziehen.
- Prüfen, wo die Postfächer liegen und welche Adressen und Weiterleitungen es gibt.
- Alte E-Mails sichern – zum Beispiel, indem Sie das Postfach per IMAP in einem Mailprogramm einrichten und die Mails lokal oder beim neuen Anbieter speichern.
- Postfächer beim neuen Anbieter anlegen, mit denselben Adressen.
- Die Einträge für den Mailempfang (MX-Einträge) erst dann umstellen, wenn die neuen Postfächer bereit sind.
So vermeiden Sie, dass während des Umzugs Kundenanfragen ins Leere laufen.
Schritt 4: Die neue WordPress-Seite aufbauen
Jetzt entsteht die neue Seite – zunächst unter einer Testadresse oder einer Subdomain, nicht live. Ihre bisherige Seite bleibt so lange unverändert online.
- Hosting wählen, das zu Ihren Anforderungen passt, mit Sicherungen und aktuellem PHP.
- Seitenstruktur planen auf Basis der Bestandsaufnahme: Welche Seiten bleiben, welche werden zusammengelegt, welche fallen weg?
- Inhalte übertragen, Bilder für das Web verkleinern, Seitentitel und Beschreibungen übernehmen oder verbessern.
- Rechtliches wie Impressum, Datenschutzerklärung und Cookie-Einwilligung an die neue Technik anpassen.
- Formulare testen, bevor die Seite live geht.
Die neue Seite sollte während der Entwicklung nicht von Google indexiert werden. In WordPress gibt es dafür unter Einstellungen → Lesen eine entsprechende Option – die beim Livegang unbedingt wieder deaktiviert werden muss. Eine vollständige Liste der Prüfpunkte finden Sie in der Website-Relaunch-Checkliste.
Schritt 5: 301-Weiterleitungen für alte Adressen
Baukästen und WordPress bilden Adressen unterschiedlich ab. Eine Unterseite, die bisher unter einer bestimmten URL erreichbar war, liegt nach dem Wechsel oft unter einer anderen. Ohne Weiterleitung landen Besucher und Google dort auf einer Fehlerseite.
- Nehmen Sie die URL-Liste aus Schritt 1.
- Ordnen Sie jeder alten Adresse die passende neue Seite zu – nicht pauschal alles auf die Startseite.
- Richten Sie für jede Zeile eine 301-Weiterleitung ein, etwa mit einem Weiterleitungs-Plugin oder in der Serverkonfiguration.
- Prüfen Sie nach dem Livegang jede alte Adresse einmal stichprobenweise, besser vollständig.
Eine 301-Weiterleitung signalisiert Google, dass eine Seite dauerhaft umgezogen ist. So bleibt die bisherige Sichtbarkeit weitgehend erhalten.
Schritt 6: DNS umstellen und live gehen
Ist die neue Seite fertig und getestet, werden die DNS-Einträge der Domain auf das neue Hosting gestellt. Die Umstellung braucht je nach Einstellung einige Zeit, bis sie überall angekommen ist. In dieser Phase sehen manche Besucher noch die alte, andere schon die neue Seite – deshalb sollte die alte Seite bis dahin unverändert weiterlaufen.
Danach: SSL-Zertifikat prüfen, alle Seiten mit https aufrufen, Formulare erneut testen, die Sitemap in der Google Search Console einreichen. Wie das technisch im Detail abläuft, beschreibt der Ratgeber Website umziehen.
Schritt 7: Erst jetzt den Baukasten kündigen
Der Baukasten-Vertrag wird ganz zum Schluss gekündigt – wenn die neue Seite live ist, Domain und Postfächer umgezogen sind, die Weiterleitungen greifen und Sie alle Inhalte gesichert haben. Beachten Sie dabei die Kündigungsfristen Ihres Vertrags. Wer früher kündigt, spart vielleicht einen Monat Gebühren, riskiert aber Ausfälle bei Website, Domain und E-Mail.
Umsetzungsplan
Sofort
- Alle Seiten mit ihren URLs, Texten, Bildern und Dateien erfassen und sichern.
- Klären, wo die Domain registriert ist und wo die E-Mail-Postfächer liegen.
- Bei Domain beim Baukasten: Auth-Code anfordern, Vertrag noch nicht kündigen.
Danach
- Postfächer beim neuen Anbieter anlegen, alte E-Mails sichern und übertragen.
- Neue WordPress-Seite unter einer Testadresse aufbauen und Inhalte übertragen.
- Für jede alte Adresse eine 301-Weiterleitung auf die passende neue Seite einrichten.
- DNS umstellen, Suchmaschinen-Sperre aufheben, Formulare und Weiterleitungen prüfen.
- Sitemap in der Google Search Console einreichen.
- Erst jetzt den Baukasten-Vertrag fristgerecht kündigen.
Vorbeugen
- Domain, Hosting und E-Mail-Zugangsdaten zentral dokumentieren.
- Regelmäßige Sicherungen und Updates einrichten oder die Website-Pflege abgeben.
- Die Search Console in den ersten Wochen nach dem Wechsel auf Fehlerseiten prüfen.
Wir begleiten Ihren Wechsel
Sie möchten weg vom Baukasten, aber Domain, E-Mails und Google-Sichtbarkeit nicht aufs Spiel setzen? Wir übernehmen den kompletten Umzug – von der Bestandsaufnahme bis zur Kontrolle nach dem Livegang.
Wir übernehmen das für Sie
Schildern Sie kurz Ihre Situation – wir melden uns schnellstmöglich zurück.
Oder rufen Sie direkt an: 0 33 41 - 35 66 146.
Häufige Fragen
Kann ich meine Jimdo- oder Wix-Seite einfach nach WordPress exportieren?
Eine Exportfunktion, die eine Baukasten-Seite samt Design und Aufbau eins zu eins in WordPress überträgt, sollten Sie nicht erwarten. Texte, Bilder und Seitenstruktur werden in der Regel manuell oder halbautomatisch übertragen. Das Design entsteht in WordPress neu. Das ist mehr Aufwand, aber auch die Gelegenheit, veraltete Inhalte auszusortieren.
Verliere ich durch den Wechsel meine Google-Rankings?
Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist, dass jede alte Adresse per 301-Weiterleitung auf die passende neue Seite zeigt und die Inhalte nicht ersatzlos wegfallen. Kurzfristige Schwankungen nach einem Systemwechsel sind normal. Dauerhafte Verluste entstehen meist dann, wenn Weiterleitungen fehlen oder wichtige Seiten beim Umzug verloren gehen.
Was passiert mit meiner Domain, wenn sie beim Baukasten registriert ist?
Die Domain lässt sich in der Regel zu einem anderen Anbieter umziehen. Dafür brauchen Sie einen Auth-Code, den Sie beim bisherigen Anbieter anfordern. Wichtig: Kündigen Sie den Baukasten-Vertrag nicht, bevor der Domainumzug abgeschlossen ist. Sonst riskieren Sie, dass die Domain samt E-Mail-Adressen nicht mehr erreichbar ist.
Laufen meine E-Mail-Adressen nach dem Wechsel weiter?
Ja, wenn der Umzug sauber geplant ist. Die Adressen hängen an der Domain, nicht an der Website. Die Postfächer müssen aber beim neuen Anbieter angelegt, die alten Mails gesichert und übertragen und die Einträge für den Mailempfang umgestellt werden. Diesen Schritt sollten Sie vor dem eigentlichen Wechsel klären.
Wann kündige ich den Baukasten-Vertrag?
Ganz zum Schluss. Erst wenn die neue Seite live ist, Domain und E-Mails umgezogen sind, die Weiterleitungen funktionieren und Sie alle Inhalte gesichert haben. Wer vorher kündigt, riskiert, dass Seite, Domain oder Postfächer abgeschaltet werden, bevor der Ersatz steht.