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Website umziehen lassen: Hosting-Wechsel ohne Ausfall

23. Oktober 2026

Technik

Ein neuer Hoster, weil der alte zu langsam ist. Ein neuer Domainname, weil sich die Firma umbenannt hat. Oder beides auf einmal. Der Umzug selbst ist technisch kein Hexenwerk, aber er hat viele kleine Stellen, an denen etwas verloren gehen kann: ein Postfach, ein DNS-Eintrag, eine Weiterleitung, ein Bild mit der alten Adresse.

Die gute Nachricht: Wer in der richtigen Reihenfolge vorgeht, merkt als Besucher vom Umzug nichts. Die alte Seite läuft weiter, bis die neue nachweislich funktioniert.

Schritt 1: Bestandsaufnahme – was alles mitumzieht

Die meisten Probleme nach einem Umzug entstehen nicht beim Kopieren, sondern weil etwas vergessen wurde. Erfassen Sie deshalb vorher, was beim alten Hoster alles liegt:

  • Website-Dateien: der komplette WordPress-Ordner mit wp-content (Themes, Plugins, Uploads) und der wp-config.php.
  • Datenbank: Name, Benutzer und Zugangsdaten stehen in der wp-config.php.
  • E-Mail-Postfächer: Welche Adressen gibt es, wer nutzt sie, gibt es Weiterleitungen und Abwesenheitsnotizen?
  • DNS-Einträge: A- und AAAA-Einträge (Website), MX-Einträge (Mail), TXT-Einträge wie SPF, DKIM und Bestätigungen für Google oder Microsoft. Notieren Sie alle, nicht nur die für die Website.
  • Weitere Dienste: Subdomains, Cronjobs, eigene Regeln in der .htaccess, PHP-Version und -Einstellungen.

Prüfen Sie außerdem, wo die Domain registriert ist. Bleibt sie beim alten Anbieter, ändern Sie dort nur die DNS-Einträge. Zieht auch die Domain um, brauchen Sie den Auth-Code für den Transfer.

Schritt 2: TTL senken – die Umstellung vorbereiten

Jeder DNS-Eintrag hat eine TTL (Time to Live). Sie legt fest, wie lange andere DNS-Server und Geräte einen Eintrag zwischenspeichern dürfen, bevor sie neu nachfragen. Ist die TTL hoch, sehen manche Besucher nach der Umstellung noch lange den alten Server.

Senken Sie die TTL der betroffenen Einträge deshalb vor dem Umzug auf einen niedrigen Wert – und zwar mindestens so lange im Voraus, wie die bisherige TTL beträgt. Erst dann ist der alte, lange Wert überall abgelaufen. Nach dem Umzug können Sie die TTL wieder anheben.

Schritt 3: Dateien und Datenbank kopieren

Jetzt entsteht die Kopie auf dem neuen Server:

  1. Sicherung ziehen: alle Dateien per FTP/SFTP oder als Archiv über den Hoster, die Datenbank als SQL-Export über phpMyAdmin oder WP-CLI.
  2. Neue Datenbank anlegen und den Export dort importieren.
  3. Dateien hochladen in das Verzeichnis, auf das die Domain beim neuen Hoster zeigen soll.
  4. wp-config.php anpassen: Datenbankname, Benutzer, Passwort und gegebenenfalls Host des neuen Servers eintragen.

Alternativ übernehmen Migrations-Plugins wie Duplicator oder All-in-One WP Migration diese Schritte. Bei großen Seiten stoßen sie aber oft an Upload-Grenzen des Servers – dann ist der manuelle Weg verlässlicher.

Während der Kopie sollten auf der alten Seite möglichst keine Inhalte mehr geändert werden. Bei Online-Shops oder Seiten mit Buchungen gilt das besonders: Bestellungen, die nach dem Export eingehen, fehlen sonst auf dem neuen Server.

Schritt 4: Die neue Seite testen, bevor sie live geht

Die Domain zeigt noch auf den alten Server. Wie testen Sie also die Kopie unter der richtigen Adresse? Über die hosts-Datei Ihres Computers. Dort tragen Sie die IP-Adresse des neuen Servers zusammen mit Ihrer Domain ein. Ihr Rechner ruft die Domain dann vom neuen Server ab, alle anderen Besucher sehen weiterhin die alte Seite.

  • Windows: C:\Windows\System32\drivers\etc\hosts (mit Administratorrechten öffnen)
  • macOS und Linux: /etc/hosts

Ein Eintrag sieht so aus: 203.0.113.10 ihre-domain.de www.ihre-domain.de – mit der echten IP-Adresse Ihres neuen Servers. Viele Hoster bieten alternativ eine Vorschau-Adresse an, über die Sie die Seite vorab aufrufen können.

Prüfen Sie dabei: Startseite und Unterseiten, Bilder, Kontaktformular (kommt die Mail an?), Login ins Backend, Shop-Funktionen. Entfernen Sie den hosts-Eintrag nach dem Test wieder, sonst sehen Sie später nicht, was Ihre Besucher sehen.

Schritt 5: Bei Domainwechsel – Adressen ersetzen und weiterleiten

Ändert sich nur der Server, bleibt die Adresse gleich, und dieser Schritt entfällt. Ändert sich die Domain, stehen in der Datenbank noch überall die alten Adressen: in Links, Bildpfaden und Einstellungen.

Adressen ersetzen – aber richtig. Ein einfaches „Suchen und Ersetzen“ in der SQL-Datei ist gefährlich. WordPress und viele Plugins speichern Einstellungen als serialisierte Daten, in denen die Länge jeder Zeichenkette mitgespeichert ist. Ändert sich die Länge der Adresse, passen die Angaben nicht mehr, und Widgets, Theme-Einstellungen oder Page-Builder-Inhalte gehen verloren. Verwenden Sie deshalb Werkzeuge, die serialisierte Daten berücksichtigen, etwa den Befehl wp search-replace von WP-CLI oder das Plugin Better Search Replace. Sichern Sie die Datenbank vorher.

301-Weiterleitungen einrichten. Jede alte Adresse muss dauerhaft auf die passende neue zeigen – nicht alle pauschal auf die Startseite. Nur so finden Besucher über alte Links und Lesezeichen ans Ziel, und Suchmaschinen übertragen die bisherige Bewertung. Die Weiterleitungen laufen auf dem Server, auf den die alte Domain zeigt, häufig per Regel in der .htaccess. Melden Sie den Wechsel zusätzlich in der Google Search Console über die Funktion zur Adressänderung.

Mehr zur Planung bei einem größeren Umbau finden Sie in unserer Website-Relaunch-Checkliste.

Schritt 6: DNS umstellen und SSL einrichten

Funktioniert die neue Seite im Test, ändern Sie die DNS-Einträge: Die A-Einträge (und AAAA-Einträge, falls vorhanden) für die Domain und www zeigen nun auf die IP-Adresse des neuen Servers.

Danach richten Sie das SSL-Zertifikat ein. Kostenlose Zertifikate wie Let’s Encrypt lassen sich in der Regel erst ausstellen, wenn die Domain bereits auf den neuen Server zeigt, weil dabei geprüft wird, ob der Server unter dieser Domain erreichbar ist. Planen Sie deshalb ein, dass die Seite kurz nach der Umstellung erst geprüft werden muss. Was bei Zertifikatsfehlern zu tun ist, steht im Ratgeber SSL-Zertifikat abgelaufen.

Schritt 7: E-Mail nicht vergessen

Hier passieren die meisten bösen Überraschungen. Liegen Ihre Postfächer beim alten Hoster, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Mail bleibt, wo sie ist: Dann ändern Sie nur die Website-Einträge im DNS, die MX-Einträge bleiben unverändert – und Sie kündigen das alte Paket nicht.
  • Mail zieht mit um: Legen Sie alle Postfächer beim neuen Hoster an, übertragen Sie die vorhandenen Mails (etwa per IMAP-Synchronisation) und stellen Sie dann die MX-Einträge um. Passen Sie auch SPF und DKIM an den neuen Mailserver an, sonst landen Ihre Mails beim Empfänger im Spam.

Denken Sie auch an die Mail-Programme auf allen Geräten: Server-Adressen und Passwörter ändern sich in der Regel.

Umsetzungsplan

Sofort

  1. Alle Dateien, die Datenbank, Postfächer und sämtliche DNS-Einträge erfassen.
  2. Klären, wo die Domain registriert ist und ob sie mitumzieht.
  3. TTL der betroffenen DNS-Einträge senken.

Danach

  1. Vollständige Sicherung ziehen, Dateien und Datenbank auf den neuen Server kopieren, wp-config.php anpassen.
  2. Die Kopie über die hosts-Datei oder eine Vorschau-Adresse testen.
  3. Bei Domainwechsel: Adressen mit wp search-replace oder Better Search Replace ersetzen und 301-Weiterleitungen je Seite einrichten.
  4. DNS-Einträge umstellen, SSL-Zertifikat einrichten, Seite von außen prüfen.
  5. Postfächer anlegen, Mails übertragen, MX, SPF und DKIM anpassen.

Vorbeugen

  1. Das alte Paket erst kündigen, wenn Website und Mail nachweislich auf dem neuen Server laufen.
  2. Nach dem Umzug die TTL wieder anheben.
  3. Zugangsdaten zu Domain, Hosting und DNS zentral und sicher ablegen.
  4. Den Betrieb an einen Partner geben, der Server, Updates und Sicherungen übernimmt.

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Häufige Fragen

Ist meine Website während des Umzugs offline?

Nicht, wenn der Umzug richtig geplant ist. Die alte Seite läuft weiter, während die Kopie auf dem neuen Server aufgebaut und getestet wird. Erst wenn dort alles funktioniert, wird die Domain per DNS umgestellt. In der Übergangszeit landen manche Besucher noch auf dem alten, andere schon auf dem neuen Server – beide zeigen aber eine funktionierende Seite.

Was passiert mit meinen E-Mails beim Hosting-Wechsel?

Liegen Ihre Postfächer beim bisherigen Hoster, müssen sie auf dem neuen Server neu angelegt und die vorhandenen Nachrichten übertragen werden. Entscheidend sind die MX-Einträge im DNS: Sie bestimmen, wohin neue Mails zugestellt werden. Wer nur die Website umzieht und die Postfächer vergisst, verliert nach der Kündigung des alten Pakets seine Mails.

Wie lange dauert die DNS-Umstellung?

Das hängt von der TTL ab, also davon, wie lange DNS-Server einen Eintrag zwischenspeichern dürfen. Senken Sie die TTL einige Zeit vor dem Umzug, greift die Umstellung deutlich schneller. Ohne diese Vorbereitung kann es je nach eingestellter TTL länger dauern, bis alle Besucher die neue Adresse erhalten.

Verliere ich bei einem Domainwechsel meine Google-Rankings?

Ein Domainwechsel ist immer ein Eingriff, den Google erst verarbeiten muss. Mit sauberen 301-Weiterleitungen von jeder alten auf die passende neue Adresse und einer Adressänderung in der Google Search Console geben Sie die bisherige Stärke der Seiten bestmöglich weiter. Ohne Weiterleitungen gehen Rankings und Verlinkungen dagegen verloren.

Kann ich den alten Hosting-Vertrag sofort kündigen?

Nein. Lassen Sie das alte Paket laufen, bis die DNS-Umstellung überall angekommen ist, alle Mails übertragen sind und Sie die neue Seite gründlich geprüft haben. Das alte Paket ist in dieser Zeit Ihre Sicherung: Geht etwas schief, können Sie zurück.

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