← Zurück zum Blog Technik

Webdesigner weg: Website übernehmen ohne Zugangsdaten

24. Oktober 2026

Technik

Der Webdesigner hat das Geschäft aufgegeben, wechselt nicht mehr ans Telefon oder ist im Streit gegangen. Die Website läuft weiter, aber niemand im Unternehmen weiß, wie man hineinkommt. Spätestens wenn eine Änderung ansteht, ein Fehler auftritt oder die Rechnung des Hosters kommt, wird das zum Problem.

Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich eine Website auch ohne Mithilfe des bisherigen Dienstleisters übernehmen. Wichtig ist die Reihenfolge. Wer mit dem WordPress-Passwort anfängt, aber die Domain nicht besitzt, hat das eigentliche Problem noch nicht gelöst.

Schritt 1: Bestandsaufnahme – wem gehört was?

Eine Website besteht aus mehreren Bausteinen, die oft bei unterschiedlichen Anbietern liegen und auf unterschiedliche Namen laufen können. Klären Sie diese Fragen zuerst:

  • Domain: Wer ist Inhaber, bei welchem Anbieter ist sie registriert?
  • Hosting: Bei welchem Hoster liegt die Website, und wer ist dort Vertragspartner?
  • E-Mail: Laufen die Postfächer über denselben Hoster oder über einen anderen Dienst?
  • Software: Mit welchem System ist die Seite gebaut – meist WordPress – und mit welchen kostenpflichtigen Erweiterungen?

Domain prüfen. Für .de-Domains ist die DENIC zuständig. Die Domainabfrage auf denic.de zeigt, ob die Domain registriert ist und welche Nameserver eingetragen sind. Die Inhaberdaten selbst werden aus Datenschutzgründen nicht öffentlich angezeigt. Schneller kommen Sie meist über Ihre Unterlagen: Rechnungen für Domain oder Hosting verraten, wer Vertragspartner ist. Die Nameserver geben zusätzlich einen Hinweis, bei welchem Anbieter die Domain verwaltet wird.

Hosting prüfen. Haben Sie selbst Rechnungen vom Hoster erhalten, läuft der Vertrag sehr wahrscheinlich auf Sie. Hat der Webdesigner das Hosting mit seiner eigenen Rechnung abgerechnet, liegt die Website vermutlich in seinem Kundenkonto. Das ist der schwierigere Fall.

Läuft die Domain auf den Webdesigner oder seine Firma, hat dieser Punkt oberste Priorität. Ohne Inhaberwechsel kann die Domain gekündigt werden oder auslaufen – was dann passiert, steht im Ratgeber Domain abgelaufen – was tun?. Fordern Sie den Wechsel schriftlich an und setzen Sie eine Frist. Bleibt das ohne Antwort, ist rechtlicher Rat sinnvoll.

Schritt 2: Das Kundenkonto beim Hoster zurückholen

Der Zugang zum Kundenkonto des Hosters ist der Generalschlüssel. Von hier aus lassen sich FTP-Zugänge, Datenbanken und oft auch E-Mail-Postfächer verwalten.

  1. Suchen Sie in Ihren Unterlagen nach Kundennummer und Vertragsdaten des Hosters.
  2. Nutzen Sie auf der Login-Seite des Hosters die Funktion „Passwort vergessen“. Der Link geht an die hinterlegte E-Mail-Adresse.
  3. Kommt die Mail nicht an, weil eine Adresse des Webdesigners hinterlegt ist, wenden Sie sich an den Support des Hosters. Als Vertragspartner können Sie sich dort ausweisen und die Kontaktdaten ändern lassen. Das Verfahren unterscheidet sich je nach Anbieter.

Liegt die Website im Kundenkonto des Webdesigners, kann der Hoster Ihnen in der Regel keinen Zugang geben, da Sie nicht sein Vertragspartner sind. Dann bleibt nur, den Webdesigner zur Herausgabe zu bewegen oder die Website auf ein eigenes Hosting umzuziehen. Für einen Umzug brauchen Sie allerdings Dateien und Datenbank – und damit wieder Zugang. Wie ein solcher Umzug abläuft, steht im Ratgeber Website umziehen und Hosting wechseln.

Schritt 3: FTP und Datenbank

Sobald Sie im Kundenkonto sind, legen Sie die technischen Zugänge neu an:

  • FTP/SFTP: Im Kundenmenü lässt sich das Passwort des bestehenden Zugangs ändern oder ein neuer Zugang anlegen. Alternativ bieten viele Hoster einen Dateimanager direkt im Browser.
  • Datenbank: Auch hier können Sie das Passwort im Kundenmenü neu setzen. Wichtig: Ändern Sie das Datenbank-Passwort, muss es auch in der Datei wp-config.php angepasst werden, sonst meldet WordPress einen Fehler beim Verbindungsaufbau.
  • phpMyAdmin: Über das Kundenmenü erreichen Sie meist auch phpMyAdmin, die Verwaltungsoberfläche der Datenbank. Die brauchen Sie unter Umständen im nächsten Schritt.

Ändern Sie diese Passwörter auch dann, wenn Sie die alten noch kennen. Wer nicht mehr für die Website zuständig ist, sollte keinen Zugriff mehr haben.

Schritt 4: Den WordPress-Admin wiederherstellen

Jetzt geht es an das Backend der Website. Es gibt zwei Wege:

Passwort zurücksetzen. Rufen Sie ihre-domain.de/wp-login.php auf und nutzen Sie „Passwort vergessen?“. Das funktioniert nur, wenn das Benutzerkonto mit einer E-Mail-Adresse verknüpft ist, die Sie lesen können. Bei übernommenen Websites ist das oft nicht der Fall.

Über phpMyAdmin. Öffnen Sie die Tabelle wp_users (das Präfix wp_ kann bei Ihnen anders lauten). Dort sehen Sie alle Benutzer. Der sicherere Weg: Ändern Sie beim Administratorkonto die Spalte user_email auf Ihre eigene Adresse und nutzen Sie danach „Passwort vergessen?“. Sichern Sie die Datenbank vor jeder Änderung. Kommen Sie trotz korrekter Daten nicht hinein, hilft der Ratgeber WordPress-Login geht nicht weiter.

Nach dem ersten Login räumen Sie auf:

  1. Unter Benutzer → Alle Benutzer prüfen, welche Konten existieren.
  2. Konten des bisherigen Dienstleisters entfernen oder herabstufen. Beim Löschen fragt WordPress, wem die Inhalte zugeordnet werden sollen – wählen Sie Ihr eigenes Konto.
  3. Unter Einstellungen → Allgemein die Administrator-E-Mail-Adresse auf Ihre ändern.

Schritt 5: Lizenzen für Premium-Themes und Plugins

Viele Websites nutzen kostenpflichtige Themes oder Plugins, etwa Page-Builder, Formular- oder SEO-Erweiterungen. Die Lizenz dafür hat häufig der Webdesigner über sein eigenes Konto gekauft.

Die Website läuft ohne gültige Lizenz in der Regel weiter, bekommt aber keine Updates mehr. Das ist auf Dauer ein Sicherheitsproblem, weil Lücken in veralteten Erweiterungen ein häufiges Einfallstor für Angriffe sind.

So gehen Sie vor:

  • Unter Plugins und Design → Themes notieren, welche Erweiterungen installiert sind.
  • Bei jeder kostenpflichtigen Erweiterung prüfen, ob ein Lizenzschlüssel hinterlegt und aktiv ist.
  • Fehlt eine gültige Lizenz, eine eigene auf Ihren Namen kaufen – oder prüfen, ob die Erweiterung überhaupt noch gebraucht wird.

Schritt 6: Alles, was an der Website hängt

Neben der Website selbst hat der Webdesigner oft weitere Dienste eingerichtet. Prüfen Sie:

  • E-Mail-Postfächer: Laufen sie beim selben Hoster? Wer kennt die Passwörter? Gibt es Weiterleitungen an Adressen, die Sie nicht kennen?
  • Google Analytics: Wer ist Administrator der Property? Ohne Administratorrechte können Sie niemanden entfernen oder hinzufügen.
  • Google Search Console: Sie können sich selbst als Inhaber bestätigen, etwa über einen DNS-Eintrag oder eine Datei auf dem Server. Danach lassen sich alte Nutzer entfernen.
  • Google-Unternehmensprofil: Ist es mit dem Konto des Webdesigners verknüpft, können Sie über Google Zugriff oder Inhaberschaft anfordern.
  • Weitere Konten: Cookie-Banner-Dienst, Newsletter-Tool, Werbekonten, Social-Media-Verknüpfungen.

Umsetzungsplan

Sofort

  1. Rechnungen für Domain und Hosting heraussuchen und klären, auf wen die Verträge laufen.
  2. Domainabfrage auf denic.de durchführen und die Nameserver notieren.
  3. Läuft die Domain nicht auf Sie: Inhaberwechsel schriftlich mit Frist anfordern.

Danach

  1. Kundenkonto beim Hoster per „Passwort vergessen“ oder über den Support zurückholen.
  2. FTP- und Datenbank-Passwörter neu setzen und wp-config.php anpassen.
  3. WordPress-Admin per Passwort-Reset oder über phpMyAdmin wiederherstellen.
  4. Fremde Benutzerkonten entfernen, Administrator-E-Mail ändern.
  5. Lizenzen der Premium-Erweiterungen prüfen und bei Bedarf neu kaufen.
  6. Analytics, Search Console, Unternehmensprofil und E-Mail auf eigene Konten umstellen.

Vorbeugen

  1. Domain, Hosting und alle Lizenzen immer auf den eigenen Namen abschließen.
  2. Eine Liste aller Zugänge führen und sicher verwahren, am besten in einem Passwort-Manager.
  3. Dienstleistern eigene Zugänge geben, statt Ihre zu teilen – so lassen sie sich jederzeit entziehen.
  4. Eine aktuelle Firmen-E-Mail-Adresse überall als Kontakt hinterlegen.

Wir übernehmen Ihre Website

Sie wissen nicht, wo Ihre Website liegt, kommen nicht ins Kundenkonto oder wollen die Übernahme nicht selbst Schritt für Schritt durchgehen? Wir klären die Eigentumsverhältnisse, holen die Zugänge zurück und kümmern uns danach auf Wunsch um Updates und Sicherheit.

Wir übernehmen das für Sie
Schildern Sie kurz Ihre Situation – wir melden uns schnellstmöglich zurück.

Übernahme anfragen → Website-Pflege ansehen

Oder rufen Sie direkt an: 0 33 41 - 35 66 146.

Häufige Fragen

Gehört mir meine Website, wenn der Webdesigner sie gebaut hat?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, auf wessen Namen Domain und Hosting-Vertrag laufen und was im Vertrag mit dem Webdesigner zu Nutzungsrechten an Texten, Bildern und Gestaltung steht. Haben Sie die Website bezahlt, haben Sie in der Regel zumindest ein Nutzungsrecht. Bei Unklarheiten zu Rechten lohnt ein Blick in den Vertrag oder eine kurze rechtliche Beratung.

Wie finde ich heraus, wer Inhaber meiner .de-Domain ist?

Die Domainabfrage auf denic.de zeigt, ob die Domain registriert ist und welche Nameserver eingetragen sind. Die Daten des Inhabers werden aus Datenschutzgründen nicht öffentlich angezeigt. Am schnellsten klären Sie es über Ihre Rechnungen oder direkt beim Anbieter, über den die Domain registriert ist. Wer ein berechtigtes Interesse hat, kann bei der DENIC außerdem Auskunft beantragen.

Was mache ich, wenn die Domain auf den Webdesigner läuft?

Dann brauchen Sie seine Mitwirkung für einen Inhaberwechsel – oder Sie klären die Sache schriftlich und, wenn nötig, rechtlich. Solange die Domain nicht Ihnen gehört, kann sie im schlimmsten Fall gekündigt werden oder auslaufen. Dieser Punkt hat deshalb Vorrang vor allem anderen.

Kann ich den WordPress-Zugang ohne Passwort zurückbekommen?

Ja, sofern Sie Zugriff auf das Hosting haben. Entweder über die Funktion „Passwort vergessen?“ an eine E-Mail-Adresse, die Sie lesen, oder über phpMyAdmin, wo sich E-Mail-Adresse und Passwort eines Benutzers direkt in der Datenbank ändern lassen. Vorher die Datenbank sichern.

Muss ich Premium-Plugins und Themes neu kaufen?

Häufig ja, wenn die Lizenz auf das Konto des Webdesigners läuft. Die Website funktioniert meist weiter, bekommt aber ohne gültige Lizenz keine Updates mehr. Das ist auf Dauer ein Sicherheitsrisiko. Eine eigene Lizenz auf Ihren Namen löst das Problem endgültig.

Kostenloser Guide

Holen Sie sich den kostenlosen Webseiten- & Preis-Guide

Plus Praxis-Tipps für mehr Kunden aus dem Web. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Mehr Kunden aus dem Web?

Beschreiben Sie kurz Ihr Vorhaben — kostenlos und unverbindlich.

Angebot anfordern →