Google-Fonts-Abmahnung: Fonts lokal einbinden
23. Oktober 2026
Ein Brief mit dem Betreff „Datenschutzverletzung durch Google Fonts“ – und plötzlich geht es um eine Schrift, über die Sie sich nie Gedanken gemacht haben. Viele Seitenbetreiber wissen gar nicht, dass ihr Theme oder Page-Builder die Schriften bei Google abruft. Das passiert unsichtbar im Hintergrund.
Die gute Nachricht: Das technische Problem lässt sich in den meisten Fällen schnell beheben. Die rechtliche Seite gehört dagegen in die Hände eines Anwalts.
Wichtiger Hinweis: Das ist keine Rechtsberatung
Dieser Artikel erklärt die technischen Hintergründe und zeigt, wie Sie Schriften lokal einbinden. Er ersetzt keine rechtliche Prüfung.
Haben Sie bereits ein Abmahnschreiben erhalten, gilt:
- Nicht vorschnell zahlen. Auch wenn der geforderte Betrag überschaubar wirkt.
- Nichts unterschreiben, insbesondere keine beigefügte Unterlassungserklärung. Sie kann Sie langfristig binden.
- Fristen ernst nehmen, aber nicht in Panik handeln. Lassen Sie das Schreiben zeitnah von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen, idealerweise mit Erfahrung im Datenschutz- oder Wettbewerbsrecht.
- Unabhängig davon die Technik umstellen. So ist die Ursache beseitigt, ganz gleich, wie die rechtliche Prüfung ausgeht.
Schritt 1: Verstehen, was das Problem ist
Google stellt eine große Sammlung kostenloser Schriften bereit. Die einfachste Art, sie einzubinden, ist ein Verweis auf Googles Server. Dann lädt der Browser jedes Besuchers die Schrift beim Seitenaufruf direkt von dort.
Dabei entsteht eine Verbindung zu Google, und die IP-Adresse des Besuchers wird übertragen. Das Landgericht München I hat in einem Urteil vom 20. Januar 2022 (Az. 3 O 17493/20) entschieden, dass diese Weitergabe ohne Einwilligung gegen den Datenschutz verstößt. In der Folge verschickten verschiedene Absender massenhaft Schreiben an Websitebetreiber. Wie diese Schreiben im Einzelfall rechtlich zu bewerten sind, ist eine Frage für den Anwalt.
Technisch ist der Fall klar: Liegt die Schrift auf Ihrem eigenen Server, gibt es keine Verbindung zu Google und damit auch keine Übertragung der IP-Adresse an Google.
Schritt 2: Prüfen, ob Ihre Seite Fonts extern lädt
Das können Sie selbst in wenigen Minuten nachsehen:
- Öffnen Sie Ihre Website in Chrome, Edge oder Firefox.
- Drücken Sie F12 oder klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Seite und wählen Sie „Untersuchen“.
- Wechseln Sie in den Reiter „Netzwerk“ (englisch „Network“).
- Laden Sie die Seite neu, am besten mit Strg + F5, damit nichts aus dem Zwischenspeicher kommt.
- Geben Sie in das Filterfeld „fonts“ oder „google“ ein.
Erscheinen Einträge mit fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com, lädt Ihre Seite Schriften von Google. Wiederholen Sie die Prüfung auf mehreren Unterseiten – Kontaktseite, Blogbeitrag, Shopseite. Manche Plugins laden Schriften nur auf bestimmten Seiten nach.
Schritt 3: Fonts lokal einbinden – drei Wege
Weg 1: Option im Theme. Viele aktuelle Themes haben eine Einstellung, um Google Fonts lokal zu laden oder ganz abzuschalten. Suchen Sie im Customizer oder in den Theme-Einstellungen nach Begriffen wie „Google Fonts“, „lokal laden“ oder „Performance“. Das ist der einfachste Weg.
Weg 2: Plugin. Für WordPress gibt es Plugins, die externe Google-Fonts-Aufrufe erkennen, die Schriften auf Ihren Server kopieren und die Verweise umschreiben. Bekannt sind zum Beispiel OMGF (Optimize My Google Fonts) und Local Google Fonts. Nach der Einrichtung leeren Sie den Cache und prüfen wie in Schritt 2, ob die Google-Adressen wirklich verschwunden sind.
Weg 3: Manuell. Wer Zugriff auf das Theme hat, lädt die benötigten Schriftschnitte herunter, am besten im modernen Format WOFF2, legt sie in einen Ordner im Theme und bindet sie per @font-face in die CSS-Datei ein:
@font-face {
font-family: 'Inter';
src: url('fonts/inter-regular.woff2') format('woff2');
font-weight: 400;
font-style: normal;
font-display: swap;
}
Danach muss der alte Verweis auf Googles Server aus dem Theme entfernt werden. Sonst lädt die Seite die Schrift doppelt. Nutzen Sie dafür ein Child-Theme, damit Ihre Änderungen beim nächsten Theme-Update nicht überschrieben werden.
Schritt 4: Page-Builder und Plugins nicht vergessen
Oft ist nicht das Theme die Quelle, sondern ein Page-Builder oder ein einzelnes Plugin.
- Elementor bietet in seinen Einstellungen eine Option, mit der Google Fonts lokal geladen werden. Je nach Version finden Sie sie unter Elementor → Einstellungen im Bereich für Leistung oder Erweitert. Alternativ lässt sich das Laden von Google Fonts dort ganz abschalten, wenn Sie die Schriften auf anderem Weg lokal bereitstellen.
- Andere Page-Builder wie Divi oder WPBakery haben teils eigene Einstellungen dafür; ein Blick in die Dokumentation lohnt sich.
- Slider, Formular- oder Icon-Plugins laden manchmal eigene Schriften nach. Diese tauchen in Schritt 2 im Netzwerk-Reiter auf.
Schritt 5: Weitere externe Quellen prüfen
Schriften sind oft nicht die einzige Verbindung zu Dritten. Wenn Sie schon im Netzwerk-Reiter sind, achten Sie auch auf diese Klassiker:
- Google Maps, etwa als eingebettete Anfahrtskarte auf der Kontaktseite.
- YouTube-Videos, die direkt eingebettet sind.
- reCAPTCHA in Formularen.
- Schriftarten- und Icon-Dienste anderer Anbieter, zum Beispiel für Symbolschriften.
Für Karten und Videos gibt es Lösungen, die den Inhalt erst nach einem Klick des Besuchers laden. Welche Dienste Sie wie einbinden dürfen und was in die Datenschutzerklärung gehört, klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten oder Anwalt. Einen Überblick über die typischen Prüfpunkte bietet unsere DSGVO-Website-Checkliste.
Umsetzungsplan
Sofort
- Liegt eine Abmahnung vor: nichts zahlen, nichts unterschreiben, Schreiben einem Anwalt vorlegen.
- Website im Netzwerk-Reiter auf
fonts.googleapis.comundfonts.gstatic.comprüfen – auf mehreren Unterseiten. - Notieren, welche Schriften und Schriftschnitte die Seite nutzt.
Danach
- Im Theme nach einer Option zum lokalen Laden suchen und sie aktivieren.
- Falls nicht vorhanden: OMGF oder Local Google Fonts einrichten – oder die Schriften als WOFF2 per
@font-faceim Child-Theme einbinden. - Page-Builder-Einstellungen prüfen, bei Elementor die Option zum lokalen Laden aktivieren.
- Cache leeren und den Netzwerk-Test wiederholen, bis keine Google-Font-Adressen mehr auftauchen.
- Weitere externe Quellen wie Karten, Videos und reCAPTCHA auflisten und datenschutzfreundlich einbinden.
Vorbeugen
- Nach jedem neuen Plugin und jedem Theme-Update den Netzwerk-Test wiederholen.
- Die Datenschutzerklärung an die tatsächlich genutzten Dienste anpassen lassen.
- Die Website regelmäßig prüfen oder die Pflege abgeben.
Wir stellen Ihre Schriften auf lokal um
Sie möchten sicher sein, dass Ihre Website keine Schriften mehr von Google lädt – auch nicht über versteckte Plugins? Wir prüfen Ihre Seite vollständig, binden die Fonts lokal ein und kontrollieren das Ergebnis auf allen wichtigen Unterseiten.
Wir übernehmen das für Sie
Schildern Sie kurz Ihre Situation – wir melden uns schnellstmöglich zurück.
Lieber direkt sprechen? Rufen Sie uns an: 0 33 41 - 35 66 146.
Häufige Fragen
Warum sind extern geladene Google Fonts ein Problem?
Wird eine Schrift direkt von Googles Servern geladen, baut der Browser Ihres Besuchers eine Verbindung zu Google auf und überträgt dabei dessen IP-Adresse – ohne dass der Besucher vorher gefragt wurde. Ein Urteil des Landgerichts München I aus dem Jahr 2022 hat das als Verstoß gegen den Datenschutz gewertet. Liegt die Schrift dagegen auf Ihrem eigenen Server, findet diese Übertragung nicht statt.
Ich habe eine Abmahnung wegen Google Fonts bekommen. Soll ich zahlen?
Zahlen oder unterschreiben Sie nichts vorschnell, insbesondere keine Unterlassungserklärung. Lassen Sie das Schreiben von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Unabhängig davon sollten Sie die Schriften technisch umstellen, damit die Ursache beseitigt ist.
Wie erkenne ich, ob meine Website Google Fonts extern lädt?
Öffnen Sie Ihre Website im Browser, drücken Sie F12 und wechseln Sie in den Reiter „Netzwerk“. Laden Sie die Seite neu und geben Sie in das Filterfeld „fonts“ ein. Tauchen Adressen mit fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com auf, werden Schriften von Google geladen. Prüfen Sie mehrere Unterseiten, nicht nur die Startseite.
Darf ich Google Fonts überhaupt verwenden?
Die Schriften selbst stehen unter freien Lizenzen und dürfen in der Regel heruntergeladen und auf dem eigenen Server bereitgestellt werden. Das Problem ist nicht die Schrift, sondern die Art der Einbindung über Googles Server. Lokal eingebundene Schriften sehen für Ihre Besucher genauso aus.
Reicht es, die Schriften lokal einzubinden?
Für die Schriften ja – aber oft gibt es weitere externe Quellen. Eingebettete Google-Maps-Karten, YouTube-Videos, Schriften aus Plugins oder Dienste wie reCAPTCHA stellen ebenfalls Verbindungen zu Dritten her. Prüfen Sie im Netzwerk-Reiter, welche fremden Adressen sonst noch geladen werden.