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Kanzleimarketing: Wie Kanzleien neue Mandanten gewinnen

10. September 2026

Marketing

Lange galt in der Branche: Eine gute Kanzlei braucht kein Marketing, sie wird empfohlen. Das stimmt weiterhin — nur wird die Empfehlung heute überprüft. Wer einen Namen genannt bekommt, googelt ihn, bevor er anruft. Was er dann findet, entscheidet mit über das Mandat.

Dieser Artikel zeigt, welche Maßnahmen im Kanzleimarketing wirken, was rechtlich zulässig ist und in welcher Reihenfolge Anwältinnen, Anwälte und Steuerberater vorgehen sollten.

Positionierung: der Teil, den man nicht auslagern kann

Der häufigste Fehler auf Kanzleiwebsites ist die Vollständigkeit. Eine Liste mit vierzehn Rechtsgebieten sagt einem Mandanten nur eines: Hier ist niemand besonders gut in dem, was ich brauche. Wer dagegen erkennbar für zwei oder drei Bereiche steht, wird genau dafür gesucht — und kann höhere Honorare durchsetzen, weil er verglichen wird mit Spezialisten und nicht mit Allroundern.

Die Positionierung ist damit keine Marketingübung, sondern eine unternehmerische Entscheidung: Welche Mandate wollen Sie, welche nicht? Ein Alleinstellungsmerkmal muss dabei nichts Spektakuläres sein. Eine Kanzlei, die im Arbeitsrecht ausschließlich Arbeitnehmer vertritt, oder eine Steuerkanzlei, die sich auf Handwerksbetriebe und deren Nachfolge spezialisiert, hat bereits eine klare Position.

Alles Weitere — Website, Inhalte, Corporate Design — folgt dieser Entscheidung. Wer sie überspringt, bekommt einen schönen Auftritt, der austauschbar bleibt.

Die Kanzleiwebsite

Für viele potenzielle Mandanten ist die Website der erste und einzige Eindruck vor dem Erstkontakt. Sie sollte vier Dinge leisten.

Zeigen, wer arbeitet. Anwältinnen und Anwälte werden als Personen beauftragt, nicht als Firma. Eigene Profilseiten mit echtem Foto, Werdegang, Schwerpunkten und Fachanwaltstiteln wirken stärker als jede Kanzleibeschreibung. Menschen, die eine Empfehlung nachprüfen, suchen genau nach diesen Seiten.

Rechtsgebiete erklären, nicht auflisten. Eine eigene Seite je Schwerpunkt, die die typische Situation des Mandanten beschreibt, den Ablauf erklärt und die häufigsten Fragen beantwortet. Das ist gleichzeitig die Grundlage für die Auffindbarkeit bei Google: Eine Seite zu einem Thema rankt, eine Aufzählung nicht.

Den Kontakt einfach machen. Erstberatung, Kosten, Ablauf — je klarer das steht, desto niedriger die Hürde. Viele Menschen zögern beim Anruf in einer Kanzlei, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt.

Vertrauen ohne Angeberei. Corporate Design, das zur Sache passt: ruhig, klar, gut lesbar. Eine Kanzleiwebsite muss nicht modisch sein, aber sie darf nicht aussehen wie von 2011.

Was rechtlich geht — und was nicht

Werbung ist Anwältinnen und Anwälten erlaubt, solange sie sachlich und berufsbezogen ist. Maßgeblich sind die Berufsordnung und das Rechtsdienstleistungsrecht. Unzulässig ist irreführende oder reißerische Werbung, ebenso das Versprechen bestimmter Ergebnisse — „Wir setzen Ihren Anspruch durch” ist heikel, „Wir prüfen Ihren Anspruch und sagen Ihnen ehrlich, wie die Chancen stehen” nicht.

Fachanwaltsbezeichnungen dürfen Sie führen, wenn sie verliehen wurden. Vorsicht bei Formulierungen wie „führende Kanzlei” oder „beste Kanzlei der Region” ohne belastbare Grundlage.

Das ist keine Rechtsberatung — Sie wissen das ohnehin besser als wir. Der praktische Punkt lautet: Der gesamte wirksame Teil des Kanzleimarketings spielt sich im zulässigen Bereich ab. Verständlich erklären, was Sie tun, ist stärker als jeder Superlativ.

Sichtbarkeit: SEO, Bewertungen, Google Maps

Suchmaschinenoptimierung ist im Kanzleiumfeld gut machbar, weil viele Mitbewerber es nicht ernsthaft betreiben. Der Hebel liegt bei den Rechtsgebietsseiten und bei lokalen Signalen. Wer für „Arbeitsrecht” plus Ort gefunden werden will, braucht eine Seite, die genau davon handelt. Rechnen Sie mit drei bis sechs Monaten bis zu spürbarer Bewegung.

Content Marketing wirkt in dieser Branche besonders gut, weil Mandanten mit einer konkreten Frage suchen: Kündigung erhalten, Abmahnung im Briefkasten, Erbschaft geregelt bekommen. Ein verständlich geschriebener Rechtstipp, der genau diese Situation erklärt, bringt zweierlei — Sichtbarkeit bei Google und den Beleg Ihrer Expertise. Wichtig ist die Sprache: kein Juristendeutsch. Wer in der Lage ist, einen Sachverhalt so zu erklären, dass ein Laie ihn versteht, gewinnt Mandate.

Das gilt zunehmend auch für KI-Systeme: Wer eine Frage bei ChatGPT stellt, bekommt Anbieter genannt, die in klar strukturierten Quellen auftauchen. Gut aufgebaute Rechtstipps zahlen also doppelt ein.

Bewertungen sind heikler als anderswo, weil Mandate vertraulich sind. Fragen Sie zurückhaltend und nur dort, wo es passt. Auf negative Bewertungen antworten Sie sachlich und ohne jeden Bezug zum Mandat — die Schweigepflicht gilt auch im Kommentarbereich, und ein Verstoß dort ist schwerwiegender als eine schlechte Bewertung.

Das Google-Unternehmensprofil kostet nichts und entscheidet über die Sichtbarkeit in Google Maps. Vollständige Angaben, Öffnungszeiten, Fotos der Kanzleiräume.

LinkedIn ist im gewerblichen Bereich der relevanteste soziale Kanal. Für Kanzleien mit Unternehmensmandanten lohnt sich ein gepflegtes Profil mit fachlichen Beiträgen — dort sitzen Geschäftsführer und Personalverantwortliche, die einen Anwalt suchen.

Google Ads ergänzt das kurzfristig. Die Klickpreise im Rechtsbereich gehören zu den höchsten überhaupt; das rechnet sich nur bei entsprechend hohen Mandatswerten und mit sauber gesetzten Ausschlusskriterien.

Was Empfehlungen mit Marketing zu tun haben

Der wichtigste Mandantenkanal bleibt die Empfehlung. Marketing ersetzt das nicht — es macht sie wirksamer.

Wer empfohlen wird, sucht als Erstes nach dem Namen. Findet er eine aktuelle Website mit Profilseite, verständlichen Erklärungen und einem klaren Weg zum Erstgespräch, wird aus der Empfehlung ein Termin. Findet er eine Seite von 2014 ohne Foto und ohne Telefonnummer im Sichtfeld, versandet sie. In diesem Sinne ist die Kanzleiwebsite zuerst ein Werkzeug für die Mandanten, die Sie ohnehin schon fast haben.

Kosten und Reihenfolge

  1. Positionierung klären — kostet nichts außer einer ehrlichen Diskussion in der Kanzlei.
  2. Website mit Profil- und Rechtsgebietsseiten — einmalig, im vierstelligen Bereich.
  3. Google-Unternehmensprofil — kostenlos.
  4. Rechtstipps und Inhalte — entweder eigene Zeit oder Betreuung ab etwa 500 € im Monat.
  5. SEO und gegebenenfalls Anzeigen — erst wenn die Grundlage steht.

Erste Ergebnisse aus Inhalten und Suchmaschinenoptimierung zeigen sich nach drei bis sechs Monaten. Wer Ihnen schnellere organische Ergebnisse verspricht, verkauft Ihnen entweder Anzeigen oder etwas, das nicht eintritt.

Ob Sie eine spezialisierte Agentur beauftragen, ist eine Rechenaufgabe: Eine Stunde am Mandat ist in aller Regel deutlich mehr wert als eine Stunde an der Website.

Wir bauen Websites für Kanzleien und beratende Berufe — sachlich, schnell und mit Inhalten, die Laien verstehen. Mehr dazu unter Websites für Coaches & Dienstleister oder direkt über Kontakt.

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